Deutsche Auswanderung

Auswanderung aus Deutschland

German emigration and its cultural-historical significance: Fifteen letters to the editor of the Allgemeine Auswanderungs-Zeitung "Nie war Ihre Arbeit wichtiger". "Umgekehrte Auswanderung von Europa in die Türkei." Die Katharinenstadt ist die größte deutsche Stadt in der Wolga-Region. Seit der Neuzeit ist Nordamerika ein beliebtes Ziel für deutsche Auswanderer. Die deutsche Überseemigration ist die Auswanderung von Deutschen in Gebiete außerhalb des eurasischen Kontinents.

In Deutschland fehlt die Auswanderungskultur.

Vor Entfremdung hat Deutschland Angst, aber schon seit Jahrzehnten massenhaft Menschen ausfuehrt. "Warum ich in Deutschland geblieben bin, erscheint mir im Mund eines Germanen etwas seltsam", schreibt Wilhelm Furtwängler einmal. Dies ist nicht wahr, die deutsche Vergangenheit hat uns die Normalisierung dieser Thematik beigebracht. Zugleich ist Furtwänglers Verhalten kennzeichnend für den Umgang in Deutschland.

2009 verließen 733.000 Menschen Deutschland (davon 156.000 Deutsche) und 721.000 (114.000 Deutsche). Vor Entfremdung hat Deutschland zwar Furcht, aber schon seit Jahrzehnten massenhaft Menschen ausgeführt. Keine deutsche Feuilletonfigur läßt die Bezeichnungen "Adoptivland" und "Kosmopolit" unberührt, und doch verweigert das Reich Fremde die Möglichkeit, Deutschland jemals zu ihrer Heimstatt zu machen.

Emigration ist nicht unbemerkt, wird aber im Gespräch eher unterschätzt, während Immigration überbetont wird. Jahrhunderts hat sein trans-atlantisches Gegenstück in der "Ethnogenese" der Deutsch-Amerikaner, die den weitaus größten Teil der Gesamtbevölkerung im Mittelwesten, Kalifornien und Teile von Texas repräsentierten - sehr zum Verdacht der Angelsachsen.

Auch nach zwei Kriegen, nach dem Verbot von deutschsprachigen Schul- und Zeitungshäusern, nach dem Verbot, nach Namensänderung und großen Regionalverschiebungen sind die Volksdeutschen immer noch die größte ethnische Gruppe in den USA. Es gibt zwei deutsche Sprachschulen im Silicon Valley, eine weitere in San Francisco, und Deutsche sind im Internet zu finden. Während die Amerikaner in den USA die Mexiko des XIX. Jahrhundert waren, sind sie in der Schweiz die China des XIX. Jahrhundert.

Zwischen 1995 und 2015 hat sich die Anzahl der Bundesbürger mehr als verdreifacht, vor allem die Hochqualifizierten ziehen es in den Bergstaat, das beliebteste Ausländerland. Im Jahr 1914 wohnten mehr als 200'000 Deutsche in der Schweiz - und da die Schweiz damals eine geringere Bevölkerungszahl hatte, betrug der Anteil der Bundesbürger an der damaligen Gesamtpopulation 6 Prozentpunkte, heute sind es nur noch 3,4 Prozentpunkte.

Nichtsdestotrotz sind die Menschen in der Schweiz zu einem politischen Thema geworden. Ein drittes Beispiel: Pacific Palisades, die "Weimar am Pazifik", verdeutlicht, wie die Auswanderung das Schicksal der aufgegebenen Heimatregion beeinflusst hat. Der an der Californischen Atlantikküste gesammelte Geheimdienst - Thomas Mann, Theodor Adorno, Arnold Schönberg, Bertolt Brecht - agierte nach dem Kriege nicht nur als Bewusstsein der beiden Bundesländer, sondern wurde auch zum Perseilschein der weimarischen Teilrepublik.

Hier trafen sich unter einer Palme alles aus der ersten Bundesrepublik, an die sich DDR und BRD später gern dachten. Nach der Rückkehr der Verbannten nach Deutschland waren sie eine kosmopolitische Alternative zur Nachkriegsmuffel. In einem Vortrag hat Adorno einmal erzählt, wie Charlie Chaplin ihn betrogen hat: "die größte Auszeichnung meines Lebens".

Pazifische Palisaden bedeuteten den Zusammenschluss mit einer weltweiten Moralgemeinschaft, in der der Engländer Chaplin das deutsche Adornos auf einer Kalifornierparty treffen konnte. Weshalb also ist die deutsche Diabetes zu Hause relativ unbemerkt? Natürlich gibt es das Deutsche Auswanderungszentrum in Bremerhaven, es gibt Dokumentationen und Gedenktafeln. Auf der einen Seite sicherlich, weil die Auswanderung im Lauf der Zeit so viele Dinge bedeutet hat.

In Deutschland existierte und existiert keine einheitliche Auswanderungskultur wie in Irland oder Italien. Auf der anderen Seite verlief die Geschichte der diasporischen Gesellschaft jedoch lange Zeit nicht mit der Bildung einer Nation mit. Deutsche Ansiedler, Seeleute, Kaufleute, Militärs kursierten ohne Staatssanktionen, oft unter den Fahnen anderer Völker.

Die deutsche Auswanderung glich den chinesischen und indischen in ihren weltweiten Wanderungen mehr als die niederländische oder portugiesische. Ich sage das so grob vergleichend, weil ich glaube, dass die Auswanderung diese sehr grundlegende Fragestellung aufgeworfen hat: Was für eine Nationalität sind wir? Wenn solche Ausdrücke auf Deutschland angewendet werden, kommt auch eine Selbstverständniskrise auf: die Deutschlandkrise: die Krise des Selbstbildes: die Krise:

Wohin gehören Deutschland, ist es ein Traumland wie Australien oder ein unsterbliches Spenderland wie Griechenland? Die deutschen Emigranten ähneln den chinesischen und indischen in ihren weltweiten Wanderungen mehr als die niederländischen oder portugiesischen. Nicht wegzugehen war für Mann moralisch falsch, die hinterlassene Heimatregion war im Ausland: "Wo ich bin, da ist die deutsche Zivilisation.

"Für ihn war es dagegen "nicht erwünscht, Deutschland in seiner größten Bedrängnis zu verlassen". Das Auswandern wurde neu interpretiert als ein Landesurteil, die Rückbesinnung auf das Auswandererurteil. Seit 2006 steht bei Vox die Emigranten-Dokumentations-Soap "Goodbye Deutschland" auf dem Programm. In jeder Folge werden eher eklatante Emigrantengeschichten als pädagogisches Spiel präsentiert: Im ersten Schritt klagen die Emigranten in ihrem Terrassenhaus in Bottrop oder Pirmasens über deutsche Nitpicking und Düsterkeit.

In der dritten Handlung sehen Sie sie nach einem halben Jahr an ihrem gewünschten Zielort, wo man sich normalerweise über Schlampigkeit und Dreck in ihrem neuen Zuhause beschwert. Wanderlust ist eine Variante des bundesdeutschen Provinzbewusstseins. Im Allgemeinen sind die Provinzen und die ganze Erde in den Emigrantendiskursen stark miteinander verflochten: Als Old Shatterhand in Karl Mays Erzählungen immer wieder auf Deutsche im Ausland trifft, normalerweise "sogar Sachsen", dann gibt es etwas Süßes, aber auch etwas fast dokumentarisch.

Mai träumte von einer Quasi-Auswanderung, die immer mit seiner Heimatregion verbunden ist. Dieser Gedanke erscheint mir sehr beruhigend - er ist heute in der deutschsprachigen Welt üblich. TV-Persönlichkeiten, die wie Konny Reimann aus der Serie "Goodbye Deutschland" hervorgegangen sind, sind Reality-TV-Versionen eines Typus, dem man sonst vor allem unter deutschsprachigen Menschen begegnen würde - demjenigen, der seine eigene Emigration für das deutsche Publikum durchführt.

Als Old Shatterhand in Karl Mays Erzählungen immer wieder auf Deutsche im Ausland trifft, gibt es etwas süßes provinziell, aber auch etwas fast dokumentarisch. Man kann sich wohl einen oder zwei deutsche Schriftsteller vorstellen, deren Porträt in London oder New York stehen muss.

Es ist aber auch deutlich, dass das heimische Publikum etwas zu gewinnen hat: die Befriedigung, mit der man merkt, dass der Abgänger trotz aller Abschiede immer noch über die Schultern blickt. Das ist ein sehr deutsches Problem. Zum einen dient es dem Bedürfnis, am FKK-Strand der Kultur eine Pause machen zu dürfen, zum anderen aber auch dem noch dringenderen Bedürfnis, zuhause noch detailliert darüber Bericht erstatten zu können.

Alle wollen von Deutschland eingeschläfert werden, aber am liebsten in französisch. Aber es gibt auch die Tatsache, dass man die deutsche Zivilisation nicht verlassen muss, um anderswo Fuß zu fassen. Denn nur so kann man in Deutschland Fuß fassen. Schon seit Jahrhunderten erklärten die Menschen, dass die deutsche Kulturgeschichte, von der Beethovens bis zum Vorschulalter, zur ganzen Erde gehört, von der Ethnizität abhängt.

Kein Deutscher könnte so einfach exportiert werden - außer vielleicht der eigentliche Exporthandel. Nur allzu gerne versteht sich Deutschland als das unterdrückte Zentrum Europas, das, wie Heideggers Einleitung in die Methaphysik sagt, "im Griff zwischen Russland und Amerika zerquetscht wird". Eine weitere, viel unerfreulichere Sichtweise löst sie ab: Deutschland, der Exportmeister, der ununterbrochen Gedanken, Güter und Menschen in die ganze Erde spuckt.

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