Auswanderer nach Brasilien

Emigranten nach Brasilien

Welche Überreste sind von den Auswanderern in Brasilien geblieben? Ein Film über die Auswanderung nach Brasilien. Emigrantenfilm "Brasilianische Schweiz - eine vergessene Geschichte". Als deutscher Priester ging er nach Porto Alegre im Bundesstaat Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens. Aus Willisau über Holland nach Brasilien.

Die Deutschen in Brasilien. 1824-2004: 180 Jahre Ausreise nach Brasilien

Das südliche Brasilien (die Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná) war im Laufe des achtzehnten Jahrhundert ein kontroverses Territorium zwischen den Kolonialherren Spanien und Portugal. Auf der anderen Seite gab Spanien seine Forderungen an den südlichen Teil des jetzigen Brasilien auf. Dies war auch der Anlass, warum die Gefahren der Fremdbesetzung, auch nach der Befreiung Argentiniens von der spanisch-kolonialen Herrschaft, bestehen blieben.

Nach der brasilianischen Unabhaengigkeit ging die Gefahr weiter, als sich der Portugiese Prinz Dominik Pedro I. zum brasilianischen Imperator erklaerte. Mit seiner Gattin Dona Leopoldina - Töchter von Franz I. von Österreich - hat er die Emigration von Menschen aus den unterschiedlichen Bereichen der deutschen Landessprache Mitteleuropas gefördert.

Die Emigration, die ab dem 2. Juni 1824 nach Südbrasilien führte, war ein wichtiger Schritt zur Sicherung und Konsolidierung der Südgrenzen des brasilianischen Reiches. Dieser Tag wurde 2004 in Brasilien als Jahrestag der Zuwanderung Deutschlands nach Brasilien gefeiert. Auf diese Weise beginnt die deutsche Siedlergeschichte: Die erste Einwanderergruppe kommt aus dem Hunsrück und gründet 1824 São Leopoldo.

Novo Hamburgo (Neu-Hamburg) hat sich mit Unterstützung von in das Tal von Sinos eingewanderten Handwerkern zu einem der bedeutendsten Zentren der Schuhbranche in Brasilien entwickelt. Im Parque do Imigrant ( "Einwandererpark") in Nova Petrópolis, einer 90-prozentigen deutsch-brasilianischen Großstadt, wird die deutsche Siedlungsgeschichte im Bundesstaat Rio Grande do Sul inszeniert.

Die Blumenausiedlung wurde von Dr. Blumenau, der aus dem ehemaligen Braunschweiger Fürstentum stammt, zur Hälfte des neunzehnten Jahrhundert erbaut. Pomerania hat sich im Dorf selbst angesiedelt, ein Name, der darauf hindeutet, dass die Menschen dieses Bundeslandes (Pommern) den Dschungel durchquert haben. Heutzutage gilt sie als die deutschste Großstadt Brasiliens.

Mit Hering als größtem Betrieb hat sich die Hansestadt Blumenau zum wichtigsten Textilstandort Lateinamerikas entwickelt. Schon seit Jahren feiert die Nachkommenschaft der Zuwanderer das Wiesn nach dem Beispiel der bayerischen Landeshauptstadt München. Im Jahre 1843 wurde die Gemeinde Petrópolis als kaiserlicher Sommersitz unter Beteiligung des dt. Bauingenieurs Köhler erbaut.

Im Jahre 1845 sind die ersten deutschsprachigen Ansiedler eingetroffen. Der Name der einzelnen Bezirke von Petrópolis erinnert an die Orte, aus denen die Immigranten kamen: Mit der gesetzlichen Regelung des Heydtsche Reskripts, das Missbräuche im brasilianischen Berufsleben aufgedeckt hat, ging die Anzahl der Zuwanderer aus Preußen, dem damals grössten Bundesland, vorübergehend zurück.

Die brasilianischen Behörden haben sich um nichts gekümmert. Die Bewohner mussten ihre eigenen Schul- und Kulturinstitutionen gründen. Der portugiesischen Landessprache kam damals nur eine nachgeordnete Bedeutung zu, da die Ansiedler vom Rest Brasiliens noch recht abgelegen waren. War in den 1920er Jahren eine kleine Emigrationswelle nicht nur im südlichen Teil des Staates, sondern auch in den Großstädten wie São Paulo und Rio de Janeiro zu verzeichnen, so kam es in den 1930er Jahren vor allem zu einer Einwanderung von durch das Naziregime verfolgten jüdischen Personen in Deutschland und Österreich.

Damit wurde die Gemeinde Rolândia im Bundesstaat Paraná zu dieser Zeit von jüdischen Menschen aus Deutschland ins Leben gerufen. Unter dem Vorsitz von Getúlio Vargas (1930-45) musste das privatwirtschaftliche Schulwesen deutscher Ansiedler unter dem Einfluss der Verstaatlichungspolitik in staatliche Schule mit national-brasilianischer Orientierung umgewandelt werden. Im Jahre 1940, mit der Militärbesetzung Frankreichs durch Nazideutschland, geschah etwas Außergewöhnliches: Tausenden von Menschen, die vom Nationalsozialismus verfolgt wurden, wurde das portugiesische Generalkonsulat in Bordeaux im südwestlichen Frankreich um ein Einreisevisum gebeten.

Durch diese Visa konnten die Betroffenen von Lissabon nach übersee flüchten. Der überwiegende Teil hatte die Gelegenheit, nach Brasilien zu emigrieren, einem Staat, der 1940 noch den Rang einer Neutralmacht hatte. Während des Zweiten Weltkriegs - Brasilien war das einzige iberoamerikanische Staat, das ein Expeditions-Korps zum European Theatre of War (Italien) entsandte - war es in Brasilien untersagt, öffentlich die deutsche Sprache zu erlernen.

Mit dem Ende der Kampfhandlungen hat sich die Situation entspannt. Ein neuer Schwung deutscher Einwanderung - auch wenn er noch so gering war - kam nach Brasilien. Die beiden Immigrantengruppen gründen ihre eigenen Ansiedlungen im Bundesstaat Paraná mit dem Zweck der Agrikultur. Dieser Wirtschaftszweig ist ein großer Wurf und ein Beispiel für die anderen Bewohner von Paraná geworden.

Auf der anderen Seite setzte bereits in den 1930er Jahren eine Zuwanderung von Fachkräften aus Deutschland ein, die zum Ausbau der brazilianischen Industrien - vor allem im Süd- und Südosten des Landes - beitrug. São Paulo ist heute der Teil Brasiliens mit der größten industriellen Dichte und das Land, in dem die Volkswirtschaft noch immer mehr als in jedem anderen Teil der Erde vorkommt.

Schätzungsweise 250.000 Auswanderer aus Deutschland sind in den vergangenen 180 Jahren nach Brasilien gekommen, was zu 5 Mio. Nachfahren deutschstämmiger Brasilianer führte. Allerdings ist zu bemerken, dass nicht alle von ihnen Deutsch sprechen.

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