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Allgemeines

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Vielleicht geht es Ihnen heute so, wie es vor vielen Jahren uns in Deutschland ergangen ist. Um halbwegs gut leben zu können mussten wir, meine Frau und ich als selbständige sehr viel arbeiten. Da war es mit einer 40 Stundenwoche nicht getan und wenn dann noch das Finanzamt kam ....
Dazu dann noch die Frage: ist das der ganze Sinn vom Leben? Wir hatten Glück und bekamen den Auftrag in Paraguay einen Film zu drehen, das war 1982 und so lernten wir das Land kennen. Es hat uns nicht mehr los gelassen und 1985 sind wir dann endgültig nach Paraguay ausgewandert, sind mittlerweile sogar naturalisierte Paraguayer.
Sicherlich muss man viele Abstriche machen, denn wir leben ja in der 3.Welt, aber auf der anderen Seite hat man dafür jede Menge Vorteile, die die Nachteile bei weiten übertreffen. Seit wir hier leben wissen wir was Freiheit ist, die Natur ist noch in Ordnung und wer aus Streßsituationen einen Herzinfarkt bekommt, ist selbst Schuld.
Wer zum ersten Mal nach Paraguay reist, der kommt schon auf der kurzen Fahrt vom Flughafen nach Asunción (Hauptstadt Paraguays) nicht aus dem Staunen heraus. Setzt er sich dann in eines der zahlreichen Strassencafés oder in eine Eisdiele, so ist er fast überwältigt von dem was auf ihn einströmt. Es ist Südamerika pur, mit all seinen Gerüchen, dem Lärm und der bunten Kulisse. Da sind die Zeitungsverkäufer, Strassenhändler, Schuhputzer und die Kinder die an den Ampeln den Autofahrern die Windschutzscheiben putzen oder Orangen, Kaugummi und Autozubehör anbieten. Dazwischen die Maká-Indianer mit ihren selbst gefertigten Andenken, Geldwechsler und jede Menge Autos und Pulks von Menschen die auf den Bus warten, oder einfach zwischen den auf den Gehwegen ausgebreiteten Waren jeder Art wie Unterwäsche, Pullover, T-Shirts, Taschenlampen, Warndreiecke nachgemachte Markenuhren und Sonnenbrillen ect., durch balancieren und alles mit einer unwahrscheinlichen Ruhe zur Kenntnis nehmen. Doch nicht nur die südamerikanische Hektik verleiht der Stadt ihren unvergleichlichen Charakter, Asunción wird nicht umsonst die "Gartenstadt Südamerikas" genannt, immer und überall ist irgendetwas am blühen. Ebenso kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn man die sündhaft teuren Nobelvillen sieht, dazu alte Herrschaftshäuser und nebenan die einfache Hütte oder ein Almacen (Tante Emma Laden) oder eines der inzwischen zahlreichen Einkaufscenter, die man in der Grösse und Klasse auch in Deutschland nicht überall sieht. Die Stadt der Kontraste, wo Arm und Reich nebeneinander zu leben versteht, wo sich jeder Zeit für ein Schwätzchen nimmt und wo eine üppige Natur noch scheinbar problemlos die stinkende Abgasglocke der Blechlawinen in der Rush-hour bewältigt.
Aber noch viel grösser werden die Kontraste im Landesinneren, um so weiter man sich von der Hauptstadt entfernt um so fremdartiger und ruhiger wird es werden. Verlässt man gar die Asphaltstrassen so kann es passieren das nur alle paar Kilometer kleine strohgedeckte Häuser auftauchen und Hühner, Pferde und Kühe in aller Ruhe die Strassen überqueren und sich auch durch lautes Hupen nicht stören lassen. Wo man hin sieht, überall Palmen, rote Erde der Strassen und das satte, nicht mehr weg zu denkende Grün, eine Farbe die einen irgendwann süchtig macht.
Es ist überhaupt seltsam, fast alle die einmal in Paraguay waren, kommen von dem Land nicht mehr los. Das wird den Leuten meistens erst so richtig bewusst, wenn sie wieder in Europa sind und wenn der Alltag begonnen hat. Spätestens im grauen November erinnert man sich wieder an den klaren südamerikanischen Sternenhimmel, den abenteuerlichen Bussen, den gastfreundlichen Leuten, dem ungezwungenen Leben, die Musik und an die Churrasquerias (brasilianische Restaurants mit Buffet).
Natürlich gibt es hier nicht nur eitel Sonnenschein, so realitätsfremd sind wir nicht. Es gibt zwar herrliche Kolibris, Tukane und Papageien, den Kardinal wie in Deutschland die Spatzen, anhängliche Nasenbären, Cowboys (Troperos) am Lagerfeuer und viel, viel Sonne. Aber wo es Sonne gibt, da ist auch Schatten und davon gibt es auch jede Menge bei uns. Als erstes die grosse Kluft zwischen Arm und Reich, leider immer noch die Korruption, obwohl jetzt schwer dagegen angegangen wird, aber ganz ausmerzen wird man sie wohl nie können, denn wir sind nun einmal in Südamerika. Manchmal hat das auch seine Vorteile, wird man von der Polizei angehalten und kontrolliert und es ist irgend etwas am Auto nicht in Ordnung, so kann man das meistens mit ca. 3 Euro (umgerechnet) gleich an Ort und Stelle regeln, natürlich in die Tasche des Polizisten. Obwohl scheinbar als Begleiterscheinung der Demokratie in Paraguay auch die Kriminalität angestiegen ist, lassen sich jedes Jahr Hunderte von Deutschen, Schweizern, Österreichern und Asiaten in Paraguay nieder. Es sind zwar vorwiegend Privatleute oder Klein- bis Mittelbetriebe und selbständige Handwerker die einfach aus Frust noch einmal die Ärmel hochkrempeln und einen neuen Start versuchen.
Als Angestellte oder als Arbeiter in einem normalen Betrieb ist es für Europäer unmöglich hier zu existieren, das Minimumgrundgehalt ist zur Zeit etwa 140 Euro im Monat. Natürlich gibt es auch andere Firmen, wie Banken, oder Internationale Konzerne und Reisebüros, Fluggesellschaften ect. die auch nach Leistung bezahlen, aber das sind dünn gesäte Posten. Man kann ohne Übertreibung sagen: Trotz aller Widersprüche und Fehlern, Paraguay gehört mit zu den beliebtesten Einwanderungsländern der Welt!

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